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400 Jahre nach dem Grossen OÖ Bauernkrieg

17. November 2025

400 Jahre nach dem Grossen OÖ Bauernkrieg

was wir erinnern – wie wir erinnern – wozu wir erinnern

Vortrag von Univ.-Doz. Dr. Hannes Leidinger und Präsentation von Martin Honzik

Martin Honzik, Leiter der communale 2026 erläutert seinen Zugang zum Thema und beschreibt den Event, der vom 16.5. bis 15.11.2026 stattfinden wird. Neben einer Ausstellung im Linzer Schloss, wird es ein Programm der ehemaligen Bauernkriegsgemeinden geben. Weiters künstlerische Projekte der Heimatforschung sowie Gedenk-, Aktions- und Thementage. Eine zusätzliche Säule bildet der Programmpunkt „MUThoch3“.

Die Eröffnung der communale findet in Lembach am 17. Mai 2026 statt.

Hannes Leidinger fragt eingangs, was das eigentlich ist “Bauernkrieg”?

Wer sind “die Bauern”? Denn der Stand der Bauern war in sich aufgesplittet (freie Bauern, abhängige Bauern, Fronpflichtige, Hörige, Leibeigene udgl.). Und ein großer Teil der Landbevölkerung war eigentlich Gesinde: Mägde, Knechte, Inwohner etc.

Dann die Frage nach dem Krieg, der – nach der klassischen Definition von “Krieg” – keiner war. Da der Krieg nicht formal erklärt wurde und es vielmehr innere Unruhen, Aufstände, Erhebungen, Revolten waren. Leidinger macht einen kurzen (beinahe globalen) Streifzug von solchen Erhebungen in der Form eines “Panoramablicks”. Auch weist er darauf hin, dass auf den obderennsischen Schlachtfeldern von 1626, die archäologisch untersucht wurden, menschliche Überreste selbst von Kindern gefunden wurden. Es waren also ganze Familien in die konkreten gewalttätigen Auseinandersetzungen involviert. Damit wird auch auf die Rolle der Frauen verwiesen, in deren Hände zum Einen die Bestellung des Hofes gelegt wurde und die zum Anderen auch unmittelbar bei Kampfhandlungen anwesend waren. Nach der Niederlage hatten sie teilweise ein schweres Schicksal als herumziehende Bettlerinnen zu tragen. Die Familie von Stefan Fadinger, dem Oberhauptmann des Aufstandes, wurde auf immer des Landes verwiesen und sein Hof niedergebrannt. Fadinger selbst, der bei der Belagerung von Linz angeschossen wurde und wenige Tage danach verstarb, wurde auf dem Friedhof in Eferding, gemeinsam mit Christoph Zeller, seinem Schwager und Oberhauptmann des Machland- und Mühlviertels begraben. Die Rache des bayerischen Stadthalters, Adam Graf Herberstorff ging soweit, dass er 1627 den Auftrag gab, die Toten auszugraben, zu enthaupten und im nahen Seebacher Moos zu verscharren. Ein Galgen an dieser Stelle sollte zur “ewigen schändlichen Mahnung” dienen. Doch die Schändlichkeit wirkte nicht wirklich im Volk. Leidinger berichtet, dass bereits Mitte des 17. Jhdts. Stefan Fadinger in der Bevölkerung als Volksheld galt, trotz der strengen Zensur, die die Habsburger über diese Ereignisse verhängten. Herberstorff hingegen war das Feindbild schlechthin. Aus dem steiermärkischen Adel stammend und vormals selbst protestantisch, war er so etwas wie ein Karrierist. Leidinger bezeichnet ihn als “Untoten”, da er in der OÖ Bevölkerung bis heute verachtet wird. Leidinger erinnert sich an seinen Großvater, der beim Kirchgang in Altmünster, in deren Kirche sich ein Epitaph von Herberstorff befindet, immer in große emotionale Aufregung kam. Ja, selbst Franz Joseph Rudigier, als Bischof von OÖ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – nicht des Protestantismus verdächtig – ließ das Epitaph immer verhüllen, bevor er in die altmünsterer Kirche eintrat. Ebenso wurde in diesem Jahrhundert, mit dem Aufstreben des Nationalismus, der OÖ Bauernkrieg von politischen Bewegungen angeeignet und zahlreiche Denkmäler errichtet, die neben der Erinnerung auch die Intention der Versöhnung hatten. Es entstand sogar ein “Fadingerbund”, mit antisemitischen Tendenzen. In der Zwischenkriegszeit wurde durch die Aufführungen der “Frankenburger Würfelspiele” (ein Laientheaterstück zur Strafaktion von Herberstorff 1625, bei der 16 Menschen hingerichtet wurden) das Gedenken neu belebt. Karl Itzinger, in der Zeit des Nationalsozialismus NSDAP-Mitglied und Kreisschulungsleiter sowie Gauhauptstellenleiter für die bäuerliche Nachwuchserziehung, verfasste das Stück. Hannes Leidinger schildert dann noch ausführlicher seinen persönlichen familiären Zugang, der exemplarisch für die (mitunter langen) Nachwirkungen der traumatischen Ereignisse ist, welche die OÖ Bevölkerung in den Jahren des Bauernaufstandes und des 30-jährigen Krieges erlebte. Er unterstreicht die Bedeutung des  Ereignisses mit dem Hinweis, dass 1626 etwa 12.000 Menschen starben, das waren 4% der Gesamtbevölkerung von 300.000. In der Relation, gab es in den beiden Weltkriegen weniger Opfer.

Hinzu kommen noch etwa 100.000 Menschen, die vertrieben wurden. Kaiser Ferdinand – streng von den Jesuiten erzogen – war der Auffassung: “Lieber ein leeres Land regieren, als eines voller Ketzer”.

Abschließend weist Hannes Leidinger darauf hin, dass trotz der gesamten Unterdrückungsmaßnahmen die damaligen, gewalttätigen Reformationsanstrengungen, seiner Ansicht nach, nicht wirklich erfolgreich waren.

Und die List der Geschichte: Schon kurz nach dem Toleranzpatent von Joseph II im Jahr 1781 ließen sich über 100.000 Menschen als protestantisch/evangelisch registrieren.

„Die Geschichte ist die Wissenschaft des Menschen; sie handelt von dem, was er gewollt, geglaubt, gedacht und getan hat.“

Jakob Burckhardt

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