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Zum Tod verurteilt, vertrieben, vergessen …

16. November 2023

Zum Tod verurteilt, vertrieben, vergessen …

Die Unterdrückung der demokratischen Revolution von 1848 in Österreich

Nachlese zum Vortrag von Wolfgang Häusler in Ottensheim, am 9. November 2023 (dem Jahrestag der in Wien stattgefundenen Exekution von Robert Blum, linker Abgeordneter des Frankfurter Paulskirchenparlaments).

Prof. Wolfgang Häusler, der historische Experte für das Revolutionsjahr 1848, verwies darauf, dass nunmehr 175 Jahre nach diesem europaweiten Sturmjahr, die Erinnerung an diesen epochalen Aufbruch zur Demokratie besonders in Österreich verblasst ist. Dies betrifft auch die Vergessenheit über die handelnden Personen: überragende engagierte Demokrat:Innen, Republikaner:Innen, Sozialist:Innen. Diese organisierten sich im Demokratischen Verein (Gründung  am 10. Mai 1848 ) bzw. im Ersten Wiener Demokratischen Frauenverein (gegründet am 28. August 1848). Parlamentarismus, Grundrechte, Pressefreiheit, Verfassung, (Männer-)Wahlrecht, Bauernbefreiung und Gemeindeautonomie wurden erkämpft und dann teilweise wieder aufgehoben und abgeschafft.

Den Errungenschaften von 1848 sollten, aller Unterdrückung zum Trotz, die Zukunft gehören. „Ideen können nicht erschossen werden“, sagte der 25jährige Philosoph und Publizist Hermann Jellinek vor seiner Hinrichtung.

Die Militärkamarilla unter Fürst Windischgrätz vernichtete mit Gewalt die fortschrittlichen Bewegungen und seine Proponenten. „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“ – verkündete der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. Dies trifft besonders für die Wiederherstellung der alten Herrschaftsordnung durch die kaiserliche Armee für Österreich zu. Die wichtigen Hauptstädte der Königreiche und Länder der Habsburgermonarchie wurden belagert, bombardiert, erobert, für Jahre unter Kriegsrecht gestellt: Krakau, Prag, Mailand, Lemberg, Budapest, Venedig, und der Oktoberkampf um Wien forderte Tausende Opfer.

„Der Mörder  Windischgrätz“, wie das Volkslied zu Ehren des zur Verteidigung Wiens gekommenen Abgeordneten, Robert Blum, treffend sang, hatte diesen Akt bewusst in  Absprache mit seinem Schwager Fürst Felix Schwarzenberg, dem neuen Ministerpräsidenten, gesetzt. Die vielfach nach den USA emigrierten Abgeordneten der Linken des Reichstags,  wurden als Hochverräter noch bis  in die 1850er Jahre mit bei einer willfährigen Justiz  bestellten Todesurteilen bedroht – z.B.  Hans Kudlich, der als der „Bauernbefreier“ in die Geschichte einging, aber nach Amerika fliehen musste.

Mit den Vorkämpfern und Trägern der Erneuerung sollte auch der erste Vorstoß der Demokratie aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt werden. Diese „Doktoren der Revolution“, wie sie Heinrich Heine nannte – Hermann Jellinek, Ernst Violand, Andreas von Stifft – dachten und handelten als revolutionäre Demokraten, an der Seite der entstehenden Arbeiterbewegung, über die bürgerlich-kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung hinaus, weiter zur sozialen Demokratie, während die – ursprünglich fortschrittlichen – Burschenschaften in Richtung Nationalismus und Antisemitismus umschwenkten.

Wolfgang Häusler meinte abschließend, dass die Frage nach Glücken oder Scheitern von Revolutionen mit der Erinnerung an 1848, mit diesem radikalen Schritt, der bis in unsere Gegenwart wirkt, untrennbar verbunden ist. Die Achtundvierziger, viele von ihnen getötet, geächtet und vertrieben, bleiben selbst in ihrer Vergessenheit wahrhaft die „siegenden Geschlagenen“, wie sie der Revolutionsdichter Ferdinand Freiligrath nannte.

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